Mein erstes Buch "Hindernisreisen"

Mit diesem Buch habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt, wie schon ansatzweise auf der Eingangsseite beschrieben:

Nicht, dass ich in meiner Jugend schon davon träumte, in meinen Urlaubsreisen verrückte Dinge zu erleben; vielmehr bin ich stolz darauf, vierzig Jahre später endlich meinem Schreibdrang ein Gesicht geben zu können: in Form eines Buches, komplett selbst gestaltet! Nur den Druck überließ ich konsequenterweise Fachleuten...

Nur drei Jahre danach fand ich auch einen Verlag, der diesem Buch ein völlig neues, professionelles Aussehen spendierte! 

Für die Besitzer dieses Buches ist wohl interessant, dass ich hier auf dieser Seite die Reiserouten in Landkarten vorstelle und auch Bilder meiner geschilderten Abenteuer.

Deshalb sind auch bei jeder Reise Links zu den einzelnen Tagen eingefügt, womit sich der Leser gut orientieren kann.

Dieses Buch verarbeite ich zurzeit als PDF. Es wird hier erscheinen und auch zum Download verfügbar sein! [Stand: 20.2.2024]

Erste Ausgabe, im Eigenverlag

Format: DIN A5, rund 290 Seiten; also ein netter Brocken.
Preis: 9 Euro, zzgl. Versand  2 Euro
(Anfang 2022: nur noch ein Exemplar verfügbar aus dieser
Eigenauflage, mit der Chance auf eine persönliche Widmung!)









Zweite Ausgabe

September 2012

Das Buch hat einen Verlag gefunden und ist im Handel erschienen!
Taschenbuchformat, 408 Seiten

Zur Präsentation

Inhalte:

Waldsee 1970 - Schwäbisch Gmünd 1970 - Imola, Italien, 1975 - Berlin 1985 - Sizilien 1986 - Kreta 1987 - Elba 1990 - Korsika 1992 - Gran Canaria 1992 - Pilsensee 1994

Leseproben, Reiserouten und Bilder

Diese Ergänzungen  befinden sich auf einer separaten Homepage, da diese im Buch genannt ist. Um hierher zurück zu kehren, bitte das neue Fenster wieder schließen!

Zu den Abenteuerbildern

Mein zweites Buch "Störfaktoren"

Dieses Buch ist auch als ebook erhältlich: Schauen Sie bitte hier!


Vorwort

Die hier vorliegenden Kurzgeschichten erzählen Dinge aus meinem Leben, die – so habe ich das Gefühl – nicht unbedingt alltäglich sind.

Warum sind diese Erlebnisse nicht alltäglich?, werden Sie fragen.

Nun, in mancher Beziehung sind meine Abenteuergeschichten nicht nur völlig unnormal, sondern oft auch total verrückt, fast unglaublich oder gar unglaubhaft! Aber dennoch wahr…

In anderen Erzählungen, die zwar nicht völlig aus dem Rahmen fallen, aber dennoch eine Prise Ungewöhnlichkeit und etwas Verrücktheit aufweisen, werden Sie als Leser vielleicht Teile von sich selbst wiederfinden:

Möglicherweise werden Sie sich plötzlich erinnern, dass Sie ähnlichen Situationen begegnet sind?

Lassen Sie sich in solchen Fällen einfach zurückfallen in Ihr Leben! Das kann sehr viel Freude bereiten, wie es mir beim Schreiben und Erinnern dieser Geschichten auch ergangen ist.

Dieses Buch lebt von Pleiten, äußerst seltsamen Missgeschicken und kuriosen Vorfällen, die einen Teil meines Lebens ausmachen.

Aber keine Bange! Diese Erlebnisse erzähle ich durchweg mit einer gehörigen Portion Humor, die selbst die übelsten Begebenheiten in einem besonderen Licht erscheinen lassen.

Natürlich bestand und besteht mein Dasein nicht nur aus Pannen!

Es gab auch eine ganze Menge Erfreuliches, was man allerdings aus den hier vorliegenden Geschichten nicht unbedingt ableiten kann.

Diese wunderbaren Erzählungen werden Thema eines weiteren Buches sein.

DANKE …

… an Ilona Schäfer, die mir bei einigen Erzählungen unter die Arme griff und mich auf stilistische Unzulänglichkeiten oder logische Patzer aufmerksam machte.

… an Thomas Striebig, ehemaliger Klassenkamerad und mehrfacher Buchautor, der mit wachem Auge das Gesamtlektorat übernahm und Sie damit – unter anderem – von vielleicht 100 oder gar 200 falsch gesetzten oder überflüssigen Kommas verschont hat.

„Striebsi“ hat auch einen eigenen Beitrag zu der Geschichte „Ein Lateinlehrer“ beigesteuert: Ein herrlich bissiger Kommentar, der mir so nie durch meine Schreibfinger gekommen wäre!

 

LESEPROBEN

Ein erster Einblick, vor meiner Geburt und kurz danach

Ein Ausblick aus dem fünften Stock, 1955

Eine Liebe im Kindergarten, 1958

Ein Kartoffelfeuer, 1962

Eine versäumte Mathematikarbeit, 1965

Ein Lateinlehrer, 1965

Eine Hand und ein Vorderrad, 1968

Ein Fußballspiel, 1971

Ein erstes Auto, 1972

Ein anderes Auto, 1974

Ein Flug der besonderen Art, 1974

Ein Bierfass im See, 1974 

Ein Kuraufenthalt, 1975

Eine Story meines Zeigefingers, 1987

Eine Autopanne, 1999

Ein Zwangsumzug, 2006

Ein Motorradausflug, 2007

Ein Auszug besonderer Art, 2007

Ein Fahrrad und sein Träger, 2011

Ein Absturz der blöderen Art, 2013

Ein erster Einblick

...

Meinen Freiheitsdrang bewies ich schon im Kindbettchen. Und dabei auch mein Ungeschick:

Ich wollte mich anscheinend aus eben diesem Bettchen befreien und mich durch die hölzernen Gitterstäbe zwängen: Dabei blieb ich mit dem Kopf zwischen zwei Stäben hängen, kam nicht zurück und erst recht nicht vorwärts!

Obwohl ich wohl Schmerzen haben musste und mich sehr wahrscheinlich nicht gerade wohl fühlte in dieser Zwangslage, schrie ich nicht! Das war mit Sicherheit eine der seltenen Situationen, in denen ich nicht brüllte: Wie mir erzählt wurde, war das nämlich meine Lieblingsbeschäftigung in den ersten beiden Jahren meines Lebens! Erst danach wurde ich ruhiger.

Hier entstand eine Eigenart, die sich über mein ganzes Leben erstrecken sollte: In Notlagen kann ich nicht um Hilfe schreien!

...

Ein Ausblick aus dem fünften Stock

Na, was denkt ihr, was passiert, wenn ein Krabbelbubi ein offenes Fenster sieht? Sperrangelweit offen sogar?

Magisch zieht mich dieses Fenster an: ganz sicher würde es da was zu entdecken geben! In einem Knirpsleben gibt es natürlich immer was zu erforschen.

Also begebe ich mich behende und doch unsicher zu Fuß und auch manchmal auf Knien und Händen zu dem Küchenstuhl, der glücklicherweise fast direkt unter dem Fenster stand, und erklimme diesen in einer Manier, dass mir spontan einfällt: Du musst Sportler werden, Knirpsi!

Einen kleinen Schreck bekomme ich, als der Stuhl mit der Lehne nach vorne kippt bei meinem Versuch, das offene Fenster zu erreichen: perfekterweise aber bleibt die Lehne direkt unter dem Fenstersims hängen.

Holla! Die Luft wird dünner, dafür aber die Sicht weiter, als ich mich in meinem jungkindlichen Leichtsinn entschließe, mich auf die Fensterbank zu setzen, mit den nackerten Füßlein voran.

...

Eine Liebe im Kindergarten

Ich war gerade fünf Jahre alt geworden; nimmer ein Zwerg wie in der vorigen Geschichte; dennoch aber ein Knirps, wie es die Natur einfach so eingerichtet hat.

Zu dieser Zeit durfte man noch ganz allein in den Kindergarten laufen, gut einen Kilometer weit; in meinem Fall nur begleitet von einem kleinen Rucksäckchen mit den überlebenswichtigen Dingen drin - wie einer Banane und einem Zuckerwassersauger als Däumchenersatz, falls ich in alte Gewohnheiten zurückfallen sollte.

Eines Tages, ein Stück nach dem Abgang dieser abenteuerlichen Brücke auf dem Weg zum Kindergarten, veränderte sich radikal mein junges Dasein:

Ein Mädchen (was könnte es anderes sein im Leben, das einen Kerl so enorm umhaut?)  kam den Weg zum Eingang des Kindergartens, allerdings von der anderen Seite her, also mir entgegen:

Engelsgleich das Gesicht, umrahmt von halblangen blonden Locken; mir schien, dass ich jahrelang davon geträumt hatte!

Die spindeldürren Beinchen unter dem luftigen Kleid, das glaube ich, einen rosafarbenen Ton hatte mit fast weißen Blumenblüten drauf, nahm ich gar nicht richtig wahr; sie passten nicht zu allem anderen.

Sie hauchte mit ihrem dünnen Stimmchen „Guten Morgen! Bist du auch in diesem Kindergarten? Ich bin neu hier! Meine Mama hat mir gestern den Weg gezeigt, und heute schon darf ich alleine gehen! Ist das nicht toll? Und du darfst auch schon ganz alleine unterwegs sein? Toll, gelle? Willst du mir den Weg hinein zeigen? Danke, das ist aber nett! Ich heiße Margot!“ und strahlte mich dabei fröhlich mit ihren blauen Augen und einem lächelnden Mund an, der schlichtweg ein Traum war, nur etwas viel plapperte, wie mir schien.

Und weg war ich...

Weg war ich natürlich in dem Sinne, dass ich mich nicht von der Stelle rühren konnte, während sie schon einige Schritte gegangen war!

Was mich da anfauchte, hatte nichts Engelhaftes mehr an sich:

"Ich heiße MargOt und nicht MargUt!", zischte es mir entgegen.

Dann verschwand sie aus meinem kümmerlichen, kleinen Leben...

...

Ein Kartoffelfeuer

Donnersack! 

Viel zu nass und zu kalt draußen, um mal wieder an unserer jugendhaften Leidenschaft eines Feuerchens am Altrheinufer Spaß zu haben!

Vertraut waren wir also mit diesen Kellern, ja, sogar intim! Was lag also näher, als dass wir hier ein Ausweichquartier für unsere Gier nach einem Feuerchen ausleben sollten, während es draußen in Strömen goss?

Die Hinterteile taten uns noch lange weh, und wir bedauerten uns gegenseitig deswegen; aber die Schimpfkanonaden verklangen schon lange vorher in unseren Ohren. Wir waren Abenteurer, und das wollten wir bleiben! Ungeachtet der kindlichen Naivität, die wir sowieso nicht kannten und die uns nur von den Erwachsenen zugesprochen wurde...

Ein gefährliches Spiel

Und schließlich bestand natürlich der unbeschreibliche Reiz des Verbotenen: Eine solche Umzäunung war selbst in unserem Alter schon als deutlicher Hinweis erkennbar, dass Lausebengels oder sonstige Menschen hier nicht erwünscht waren. Aber eine Lücke im Zaun – war das nicht geradezu eine Aufforderung, sich in fremdes Land zu schleichen?

Nun, jetzt recht kurz, aber schmerzlich:

Das erste Abbrennen von erobertem Land klappte noch: Das kurze, dürre Gras verrauchte einfach.

Der zweite Versuch klappte nicht mehr so ganz: Irgendein Funke sprang über auf die umliegende Gegend, und es kokste nicht nur, sondern brannte ganz sacht. Zuerst, jedenfalls.

Bei unseren Versuchen, die wirklich nur winzig kleinen Brändchen zu zertrampeln, stoben weitere Funken davon…

...

Eine unglückliche Turnstunde

Meine Turnerei nahm leider schon ein frühes Ende, jedenfalls in Hinsicht auf einen Aufstieg in den Kader der begabten Kinder. Und dieses Ende kam rasch und äußerst heftig.

Ich war immerhin erst 11 Jahre jung, als unser Trainer entschied, dass ich mich auch mal an den Ringen versuchen sollte.

Ringe! Ein Traum für so einen Knirps! Da durften sonst erst die 15-jährigen erstmals ran!

Ich sah nach links, wo der Aufschlag etwas heftiger ausgefallen war und traute meinen Augen nicht: Mein Unterarm stand im gegenteiligen Winkel ab, was äußerst seltsam, aber auch irgendwie interessant aussah!

Eine Mathe-Arbeit

Panik!

Ich war sicher, dass ich diese Mathematik-Prüfung verhauen würde, weil ich zuvor faul war wie eine Sau in ihrer Sommerkuhle.

Außerdem hatte ich zu dieser Zeit an Mathe sowieso etwa das Interesse wie der vorgenannte Schwarzkittel. So suhlte ich mich lieber in der Sonne oder trieb Sport, statt mich den Studien von Quadratwinkeln und ähnlichem, unverständlichem Zeug zu widmen.

In der Pause vor der Arbeit schwitzte ich immer mehr, bis mir die Erleuchtung durch den Kopf schoss: Eine Ausrede musste her, aber schnell!

Der geneigte Leser wird jetzt wohl einen Verdacht haben, den ich hiermit bestätige: es passierte etwas.

...

Ein Lateinlehrer

Erwähnenswert ist hier noch, dass Herr Schott (ich lasse den Titel 'Dr.' hier absichtlich weg, weil das für eine weitere Begebenheit wichtig ist) keinen rechten Arm knapp unter der Schulter mehr hatte und stattdessen ein hölzernes, zum Körper hin angewinkeltes Ding trug mit einem grauen Samthandschuh an der nachgebildeten Hand.

Samthandschuh! Ein echter Witz, vielleicht sehr bewusst eingesetzt...

Ein während dem Unterricht unbedacht etwas lauteres Wort, also eine Prise mehr als hauchleise, konnte dem Kameraden einen Kreidefleck auf der Stirn einbringen, auch wenn er in der letzten Reihe saß! Mit unfassbarer Geschwindigkeit und Genauigkeit traf ein Kreidegeschoss aus seinem linken Wurfarm... Wie und wo hatte er das nur trainiert? Wahrscheinlich auch in anderen Klassen.

Falls in einer solch aufmüpfigen Situation der Herr Lehrer gerade keine Kreide in der Hand hatte, tat es zur Not auch mal der Schlüsselbund in seiner linken, grauen Jackentasche... Und auch der traf kopfgenau!

In einer anderen Situation fiel ich in Ungnade, weil ich ungehobeltes Kind unseren Lehrer bei einer Frage mit den Worten ansprach: „Herr Schott, können Sie...“

Weiter kam ich nicht!

Sein Gebrüll erschütterte nicht nur mich und die Kameraden; das ganze Schulgebäude schien zu erzittern: „Ein Herr Schott steht auf dem Wochenmarkt und verkauft Wurst!! Ich bin Herr Doktor Schott und lehre Latein! Schreib dir das hinter die Löffel und rede mich künftig korrekt an!!!“

Seltsam einmal wieder, dass sein Gesicht bei diesem Jähzornesausbruch nicht platzte; die Haut schien äußerst widerstandsfähig zu sein.

Nachsatz 2, verfasst von einem Klassenkameraden

Zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl …

Herr Dr. Schott – wenn es ihn denn in der Lateinlehrer-Hölle selig macht, dann nenne ich ihn in drei Teufels Namen so – war ein Scheusal, aber kein Einzelfall.

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Eine Hand und ein Vorderrad

Bekannt ist ja wohl inzwischen, dass ich Dinge getrieben habe, die selten auch anderen Menschen passieren, weil sie nicht das Talent zu solchen Verrücktheiten haben.

Urplötzlich überschlug ich mich und fand mich auf dem Asphaltboden wieder, mit dem Rad dicht an mir!

Als ich mich, doch erheblich überrascht und nicht weniger verwirrt umschaute, staunte ich echt nicht schlecht: Die rechte Hand war mitsamt einem Stückchen Unterarm durch die Speichen gerutscht, und die Finger standen auf der anderen Seite wieder heraus!

Mein Unfalldoc, der mich schon lange kannte und noch über weitere Jahre hinweg betreuen würde, stellte keinen Bruch fest; aber er und die schon etwas älteren Arzthelferinnen kamen um diese Bemerkung nicht umhin, als ich die Story des 'Wie' erzählt hatte:

„Mit dir haben wir ja schon viel erlebt; aber das hier ist das absolut Verrückteste, was du hier bei uns abgeliefert hast! Bisher jedenfalls…“

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Ein Fußballspiel

Überaus reaktionsschnell und mutig, wie ich es von mir gewohnt war, stürzte ich mich mit einem Seitwärtshechter nach rechts auf den Boden vor den Ball, den ich auch absolut sicher mit den Händen in meine Obhut nehmen konnte.

Überhaupt gar nicht gewohnt war ich aber, dass dabei ein Fuß, der in Ermangelung von Fußballtretern in einem ledernen Wanderschuh steckte, beim unfairen Nachtreten über den Ball rutsche und meine Nase traf, während ich noch auf dem Boden lag.

Die Oststadtklinik lag von der Mannheimer Stadtmitte aus am nächsten, also radelte ich dorthin. Schon nach etwas mehr als einer Stunde Wartezeit kam ich dran und wurde befragt, was denn passiert sei. Der Doc legte dann beide Hände unter mein Kinn und drückte mit beiden Daumen auf meinen Nasenrücken, wobei er gleichzeitig fragte, ob das weh tun würde.

Leute, lacht nicht: Mein Unterbewusstsein ließ ihm meine rechte Hand auf die Wange knallen...

Nach dem Röntgen hieß es: „Ab in den OP und etwa zehn Tage hierbleiben! Das Nasenbein ist mehrfach gebrochen und eingedrückt und die Nasenscheidewand sitzt völlig schief!“

Aus meinem Mund hieß es: „Geht nicht! Hab gar nix dabei, komme später wieder!“

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Ein erstes Auto

Bei Regenwetter, sofern es am Vorabend einsetzte, konnte ich erst fahren, nachdem ich die Gummistöpsel aller vier 'Bodenwannen' gezogen hatte: Alle Fenster waren undicht, das Autolein stand innen völlig unter Wasser, bis hin zu den unteren Enden der Pedale – knapp darüber gab es einen natürlichen Abfluss, den unteren Abschluss der undichten Türen nämlich.

Einmal hatte Madl auf dem Rückweg einer Tour durch den Odenwald das große Sausen bekommen: wir jagten einen VW-Käfer! Das war wohl auch ein 27 PS-Teil, aber wir waren schneller!

Der Käferfahrer war alleine; neben mir vollführte Werner Schubsbewegungen wie in einer Schiffsschaukel, damit wir bei diesem irrwitzigen, bis dato selten erreichten Tempo von 119 km/h vielleicht überholen könnten. Nach bestimmt einem Kilometer auf der Bundesstraße und bei unserem ständigen Ansporngebrüll hätte das auch um ein Haar geklappt, denn wir waren locker zwei Stundenkilometer schneller - wenn da nicht plötzlich der Motordeckel aufgesprungen wäre, der vorne lag...

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Ein anderes Auto

Diesmal hatte ich richtig satt in meinen Geldbeutel gelangt:

Für dieses herrliche Autolein musste ich sagenhafte 600 DM (~ 300 Euro) auf den Tisch legen!

Doppelt so viel, wie ich für das teuerste meiner bisherigen Autos ausgegeben hatte; aber ich hatte mich auf Anhieb in dieses Dingelchen verliebt.

Und tatsächlich war dieser Brennholz-Holdienst der letzte, den mein Karmann mir bescherte: Ein Achsschenkelbruch hatte ihm den Gnadenstoß versetzt.

Es tut mit bis heute um keines meiner Autos so leid wie um diesen Karmann Ghia: Ein Auto, das in seiner Form bestach, in seiner Zuverlässigkeit den legendären alten VW-Käfern mindestens ebenbürtig war, eine dicke Karosserie besaß, und darüber hinaus in der Cabrio-Version einen unglaublichen Spaßfaktor bot.

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Ein Flug der besonderen Art

In eben dieser Straße zwängte sich aus einer Nebenstraße ein Auto zwischen uns, weil ich offenbar gepennt hatte; plötzlich hellwach, wollte ich an diesem Kerl links vorbeiziehen, wobei ich ja nur etwas mehr am Gashahn drehen musste. Blöderweise – mir fällt einfach keine anderes Wort ein, um solche Aktionen einzuleiten – bremste der Fahrer vor mir ganz kurz, und ich bekam die Kurve an ihm vorbei nicht mehr.

Mit der Hand am Gasgriff touchierte ich das Auto nur leicht, aber es genügte, meinem Vorwärtsdrang ein jähes Ende zu setzen: Der Lenker gehorchte nicht mehr, und das Mopped warf mich unwillig ab!

Mein Azubi-Kollege Volker erzählte die Story am nächsten Tag in der Bank: „Ich hörte etwas Metallisches kreischen, und als ich die Tür aufmachen wollte, flog der Hufi an mir vorbei!“

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Ein Bierfass im See

Am Samstagabend wollten wir eine zünftige Männerparty feiern, weswegen wir neben einer Menge Grillgut auch ein kleines Metallfass Bier dabei hatten. Dieses sollte natürlich schön gekühlt sein, wozu sich das relativ flache Wasser hervorragend anbot. Da dies meine Idee war, übernahm ich auch das Hineinrollen; es klappte ganz prima bis in eine kleine Kuhle, die ich in etwa einem Meter Tiefe mit den Füßen grub, um das wertvolle Gut zu sichern.

Ahnt hier jemand etwas, mal wieder?

Genau: In dem Moment, als ich noch zwei Steine holen wollte, um ja auf der sicheren Seite zu sein, verflachte sich diese kleine Vertiefung und gab das Fass frei…

Ich schaute machtlos hinterher, bis es zur Ruhe kam: Etwa fünf Meter vom Strand entfernt und etwas über zwei Meter tief.

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Ein Kuraufenthalt

In dieser Kurklinik wurde es mir schon nach einigen Tagen recht langweilig, obwohl die Witze, die man ja ständig über Kuren hört, nicht unbedingt falsch waren:

Natürlich hatte ich schon vor diesem Kuraufenthalt einen 'Schatten', was ganz allgemein bedeutet, dass ich manchmal einen an der Klatsche hatte, wie man so schön sagt; Sie können das bestimmt bestätigen, weil Sie meine bisherigen Geschichten gelesen haben.

Innerhalb kürzester Zeit hatte ich aber einen zusätzlichen 'Schatten', der den Vornamen 'Kur' trug…

Die Kurve kriegte ich natürlich nicht mehr, weil ich das Motorrad hochriss, um nicht links in den kleinen Hügel, der mir die Sicht versperrt hatte, einzuschlagen. Somit ging es also bei rund 90 km/h fast geradeaus, was in einer Kurve nicht unbedingt Vorteile bringt.

Wenn wir diesen Pfosten treffen, dann braucht das Moped keinen TÜV mehr und ich keine Fortsetzung der Kur!

'Das überleben wir nicht!' schrie mein Hirn.

Und ich schrie zurück: 'Dann lass dir was einfallen!'

'Abspringen!!!' war die lapidare Antwort, weil keine Zeit mehr zum Diskutieren war.

Also machte ich einen Satz nach rechts, wobei das Moped natürlich nach links gedrückt wurde.

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Eine Story meines Zeigefingers

Die Kreissäge hatte schlechte Arbeit geleistet im Juni 1987, etwa gegen 15 Uhr, zwei Tage nach meinem Geburtstag und vier Tage vor der dazugehörigen geplanten Party:

Statt den vertrockneten, kleinen Apfelbaumstamm mit den schon früher kurz zurecht geschnittenen Ästen - der meiner Mieze als Kratz- und Kletterbaum diente - zu kürzen, trennte mir das bösartige Teil den linken Zeigefinger mitten im Gelenk ab, als ich mal ganz kurz die Kontrolle über das unschierige Ding verlor. Wobei mit 'Ding' natürlich nicht der Zeigefinger gemeint ist.

Ziemlich sauer deswegen nahm ich den halben Finger, der noch an einem Hautfetzen an der Innenseite hing, und klemmte ihn mit dem Daumen und den anderen Fingern fest in die linke Handfläche, damit ich ihn in dem Haufen Späne, der noch vom Brennholzsägen herum lag, nicht verlieren würde; oder auch auf dem Weg nach oben: aus dem Keller in die Wohnung im Erdgeschoss. Aus Trotz und Ärger schaltete ich die Kreissäge nicht aus; sollte sie doch heißlaufen und irgendwann ihre Zähne an die dicken Mauern spucken!

Nur mit dem Satz: „Warten Sie bitte hier“ wurde ich abgestellt. Schon wieder so ein Depp! Was sollte ich denn sonst machen, bitte? Sightseeing mit dem Rollstuhl durch die Notaufnahme?

...

Eine Autopanne

Also stellte ich mich ans Heck des Autos und hoffte, dass auf dieser kleinen Straße jemand anhalten würde, um nach dem Grund meines weit ausgestreckten Armes mit dem erhobenen Daumen zu fragen.

Aber in den folgenden fast zwei Stunden übersah man mich doch: geflissentlich nämlich!

Meine langen Haare wurden von dem eiskalten Wind von hinten nach vorne ins Gesicht geweht, und auch die blaue Nase ließ wohl einen anderen Eindruck entstehen als den, dass sie nur halbgefroren war: Die Insassen von gut 20 vorbeifahrenden Autos schauten stur nach vorne, registrierten mit keiner Miene den frierenden, hungernden Menschen in einer Notlage! Kein einziger schaute auch nur mit einem kurzen Blick zu mir, während sie an mir vorbeidüsten! Wahrscheinlich hatten sie Angst, ich könnte ihre Scheu in ihren Augen entdecken.

Unfassbar, diese Ignoranz.

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Ein Zwangsumzug

Vorgetäuschter Eigenbedarf: Eine Story, die es in sich hat!

Wahllos und chaotisch hing und schraubte ich von Wänden und Decken ab, was ich die nächsten Tage nicht mehr brauchen würde; gestapelt wurde das alles auf dem Boden, verteilt über die ganze Wohnung. Laufen konnte ich nur noch auf schmalen Pfaden.

Die Nacht war furchtbar mit ihren Träumen, ich war froh, dass sie vorüber war. „What a beautifull morning“ schallte es aus meinem Radiowecker; gegen die Decke hätte ich das Ding pfeffern können, so wunderschön war dieser Morgen!

Dem Irrsinn nahe wütete ich weiter, und trotzdem nahm es kein Ende und auch keine Formen an!

Um neun Uhr traf der Umzugswagen ein, und sowohl der Chef als auch sein Vorarbeiter, oder wie der heißen mag, staunten nicht schlecht: So ein unfertiges Chaos hätten sie noch nie gesehen - wo sollten sie denn anfangen?

Ich wollte ja schon fragen, ob sie schon einmal ein fertiges Chaos gesehen hätten, ließ es aber sein und lotste die Burschen zuerst in die beiden Keller. "Wegschmeißen, alles!"

Natürlich wurde meine neue Wohnung eine hübsche und gemütliche.

Fotos zu diesem chaotischen Umzug gibt es HIER. Bitte das neue Fenster wieder schließen.

Ein Motorradausflug

Herrlich, absolut seelenaufgehend, diese kleine Tour, knapp am Pfälzer Wald vorbei!

Kurven hatte ich schon satt genossen, mein Genick klagte deswegen schon ein wenig; ein Elend, das mich wohl bald das Mopedreiten überdenken lassen sollte, denn irgendwann würde es wohl keinen solchen Spaß mehr machen.

Zurzeit war aber alles einfach genial.

Auf einem eher langweiligen Stück schnurgerader Straße, schon in Richtung Heimatgarage, hatte die Kawa aber plötzlich so etwas wie Hustenanfälle: Sie spotzte und ruckelte und zitterte!

Jessas, Mädel, was hast du denn bloß?

Erschreckt und voll der Sorge um mein Mopped hielt ich an dem äußerst knappen Straßenrand an, weil ich das notgedrungen tun musste: Die Kawa hatte nämlich ihren Motor einfach ausgehen lassen… Faules Stück!

Die nette Sonne deutete an, dass es nicht mehr allzu lange dauern würde, bis sie sich ins Bett verziehen müsse; vielleicht zwei Stunden noch.

Ich selber dachte ähnlich, sah jedoch neben dem Straßenrand kein Bett, sondern nur einen gepflügten Acker; mit etwas Grün, ganz am Anfang, kurz neben dem Straßenrand.

Na, ja, das wäre ja keine Novität. Wo ich schon überall übernachtet hatte…

Aber ohne Futter: das würde hart werden!

...

Ein Auszug der besonderen Art

Eine unglaubliche Geschichte mit einem unglaublichen Werkzeug.

Das kleine Zahnweh, rechts unten und ziemlich weit hinten, sollte mich nicht weiter stören; so jedenfalls hatte ich es beschlossen. Schließlich war nach Pfingsten auch noch Zeit, zum Zahnarzt zu gehen; und heute, am Donnerstag, war sowieso kein Termin zu kriegen wegen so einer kleinen Beschwerde: Immerhin hatte ich es versucht, aber die nette Zahnarzthelferin vertröstete mich mit lieben Worten auf die nächste Woche.

Okay, dachte und sagte ich, dann also bis nächste Woche!
Ich kam aber dort nie an, weil:

Am Abend lief ich Amok im Wohn- und Schlafzimmer, auch in der Küche und auf dem Balkon; den Flur nicht zu vergessen!

Mein linkes Auge sah kaum noch, wohin ich trampelte, weil der Schmerz bis dorthin Einzug gehalten hatte; das rechte Auge sah noch weniger, weil es über dem Brandherd lag und im Tränenwasser schwamm...

Zugegeben: Ein wenig (mindestens!) verrückt bin ich ja schon, wie der geneigte Leser mittlerweile festgestellt haben wird; diesmal aber war es doch schon eine überaus ungewöhnliche Aktion, die mich aber vielleicht vor dem Irrsinn gerettet hatte.

Hatten Sie eigentlich schon einmal Zahnschmerzen?

Ein Fahrrad und sein Träger

Im Jahr des weltweit bisher größten Transportaufkommens - laut einem Artikel einer bedeutenden Tageszeitung - leistete ich meinen eigenen Beitrag dazu.

Beendet war aber damit auch meine Radtour, denn die Schotterpisten hatten ihren Wegezoll gefordert: Plattfuß hinten! Unfassbar!

Na ja, unfassbar war eine solche Begebenheit nicht unbedingt; aber ich hatte mir Schläuche eingezogen, die mit einer Dichtungsmasse gefüllt waren und Risse bis zu drei Millimetern Breite abdichten sollten. Wo ist dann, bitteschön, die Luft geblieben? Dicht sieht anders aus!

Vor Zorn wurde mir noch heißer, als es in der knalligen Sonne sowieso schon war: Sollte ich den einige Kilometer langen Rückweg in dieser Hitze überleben, würde ich den Schlauchhersteller verklagen!

Na, was soll's, dann schultern wir das Rad eben und tragen es.

In diesem Moment des Versuches bemerkte ich, dass ich das Rad gar nicht schultern konnte! Es war ein Damenrad, das ich mir wegen meiner Rücken- und Knieprobleme zugelegt hatte, um besser auf- und absteigen zu können. Und ohne die Mittelstange ist ein Tragen über der Schulter physikalisch nicht möglich: Pure Luft zwischen Sattelholm und Lenkstange ist nicht stabil genug dafür.

...

Ein Absturz der blöderen Art

Ich hatte ein großes, schmales Regal ausgeräumt, das fast bis zur Decke reicht, und wollte es an der Wand entlang in die andere Ecke schieben, damit es an dieser Stelle Platz für die neue Couch gab, die ich geschenkt bekommen hatte: Sie sollte mit ihren beiden rechtwinkligen Teilen ums Eck rum platziert werden; das längere Teil unter den zwei Wohnzimmerfenstern, das kürzere nach ebendiesem Eck, wo dieses Bücherregal im Weg stand.

Komplizierte Beschreibung, nicht wahr? Macht aber nix.

Ja, wie denn, was denn: Schraubendreher mit Softgriff in der rechten Hand und trotzdem Risse in den Fingern? Heftige Blutergüsse und Prellungen an Stellen, die meines Wissens nicht mit härterem Material in Berührung kamen? Wie erklären sich diese Stellen in der Lebergegend, an der Innenseite des linken Oberarms und der Außenseite des rechten Oberarms? Woher bekam meine rechte Brust einen fürchterlichen Schlag?

...

Mein drittes Buch

Diese Erzählungen sind bis Mitte Juni 2022 so gut wie fertig gewesen, bis mir noch etwas passiert ist, das unbedingt mit rein musste... Ende August 2022 schließlich kamen die Bücher aus der Druckerei bei mir an!

Es sind weitere kleine Geschichten aus meinem Leben, die ausnahmsweise auch ab und zu mal positiven Inhalt haben, und es gibt auch mehrere Bilder dazu.

Mit dem Cover bin ich gar nicht recht zufrieden, aber mir ist nichts besseres eingefallen!

Der Inhalt:

Kleine Begebenheiten aus der Schulzeit, ab 1964

    Eine fliegende Schultasche       7

    Eine Brille auf dem Lehrerpult     10

    Ein Spatz im Klassenbuch     11

    Ein Chemielehrer     12

    Ein Klassenbuch     14

    Vier Schelme im Landschulheim     16

    Ein Trommler im Landschulheim     21

    Im Landschulheim: der Bolzplatz     25

    Bildende Kunst: der Liebestöter     27

Eine Nacht im Wald, 1969     29

Spanienurlaub, 1972     34

Ein Gaul dreh durch        82

Fahrt in eine Kaserne, 1975     87

Eine traurige Schwalbe, 1986      100

Ein erster Lehrauftrag, 1986    104

Lago Maggiore, Motorradtour 1995    121

Motorradfahren. Was bedeutet das?

        Einführung    153

        Das Rasen    164

        Das Gondeln    167

Sonnenfinsternis, 1999    178

Spatzenrettung, 2006    189

Eine Bettgeschichte, 2021    194

Ein Fahrrad, 2021    204

Ein Yoga-Kurs, 2022    218

Schon wieder mein Fahrrad, in Bearbeitung,    227

Nachworte    239

Schlusswort   240

Rückseite

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Und die spannendste und aufregendste Reise ist immer noch das eigene Leben. Vorausgesetzt natürlich, jemand verzettelt sich nicht heillos im täglichen Klein-Klein oder langweilt sich gar zu Tode.

Langeweile - das ist etwas, das der Autor Norbert Hufler nun wirklich nicht kennt. Unstillbar war in seiner Kindheit und Jugend sein Bewegungsdrang, auch wenn er sich dabei an Bändern und Knochen Verletzungen einfing, die andere Menschen vielleicht nie auch nur dem Namen nach kennen. Später kam zu sein Bewegungsdrang eine ebenso unstillbare Abenteuerlust. Unstillbar schließlich ist Huflers Erzähldrang. Und was hat er alles zu erzählen! Dies zudem immer mit einer Dosis augenzwinkernden Humors.

All das macht auch diesen dritten Band mit lustigen Erzählungen aus dem Leben des Autors zu einem überaus kurzweiligen Lesevergnügen. Zumal man als Leser rasch merkt: Irgendwie fällt dieser liebenswerte Chaot letztlich doch immer wieder auf seine Füße.“

Thomas Striebig,  Autor von Romanen und Reiseführern

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"Unglaublich, wie diese Erzählungen mich mitnehmen: als wäre ich dabei!"

"Sprachlich kein Günter Grass. Zum Glück nicht, denn diese Ich-Erzählsprache ist aus dem Leben gegriffen und deshalb lebendig und trifft mitten ins Gefühl"

"Liebevoll, gefühlvoll, humorvoll, nachvollziehbar! Mehr braucht es nicht zum Lesevergnügen"

Lesermeinungen

Hinweis

Da ich logischerweise nur eine kleine Anzahl drucken lasse, könnt Ihr Euch gerne auf der Kontaktseite ein Exemplar reservieren lassen; dann gebe ich halt ein oder zwei Bücher mehr in den Druckauftrag... *lächl

Aber Achtung: Das Buch muss 10 Euro kosten! Ich hoffe, das schreckt Euch nicht ab...

Noch eine Geschichte...

Ich hätte das Buch noch nicht drucken lassen sollen!

Aber konnte ich ahnen, dass mir schon wieder ein Missgeschick mit dem Fahrrad passieren sollte? Andererseits: Würde ich warten, bis mir wieder ein Ungeschick widerfährt, das sonst nur wenige andere Menschen begegnet, könnte die Druckerei noch lange auf mein dann sehr dickes Buch warten...


Ein Sattel ohne richtige Funktion


Der September hatte gerade begonnen am Fünften dieses Monats, die Zeit übermäßiger, drückender Hitze hatte sich gemildert zu weniger drückender Hitze, einige Regentropfen schauten bei uns vorbei, und ein paar davon landeten sogar auf der ausgedörrten Erde, wo sie nutzlos verdampften.

Diese herrliche Zeit nutzte ich, um mit meinem elektrischen Drahtesel, kurz eRad, durch die Gegend zu gondeln. Zu diesem Begriff muss ich dringend erwähnen, dass ich kurz vorher, Ende August, zu Besuch bei meiner liebsten Kusine im herrlichen Altmühtal war. Dies ist natürlich kein Grund, ein EBike umzutaufen; der eine Grund war das Angebot der Bahn mit ihrem 9 Euro-Tickdet, der andere, dass wir uns über die übermäßigen Anglizismen in der deutschen Sprache aufregten, egal, wie wir auf dieses Thema kamen. Also heißt mein EBike  jetzt eRad. Basta. Hm; konsequenterweise müsste ich den Ausdruck  Anglizismen auch durch ein deutsches Wort ersetzen; aber erstens fällt mir auf die Husche keines ein, und außerdem: Ganz ohne fremdgewandete Worte scheint die deutsche Sprache doch nicht auszukommen. Echt blöd.

Nun denn: Ich fuhr also so vor mich hin, als ich plötzlich das Gefühl hatte, auf meinem eRad kleiner geworden zu sein! Genau betrachtet, war nicht ich das, sondern mein Sattel! Und noch genauer betrachtet, war es auch nicht der Sattel! Wie hätte ein einfacher Sattel das auch zustande bringen sollen? Aber in der Tat: Ich saß plötzlich niedriger.

Mein fachmännisches Auge erfasste sofort nach dem Absteigen – das mir aus dieser niedrigen Höhe ungewohnt schwer fiel, trotz – oder weil? - tief gelegen Damenrahmen  - , dass etwas nicht stimmte. Gewiss hätte das auch ein weniger gewiefter Mensch erkannt, aber ich bin halt ein ausgebuffter Fuchs und stellte sofort fest, dass ich gleich heulen würde..:. Ist es denn möglich, dass irgend jemandem außer mir so etwas passieren kann?

Die kurze Sattelstange war ursprünglich mit einem Gewinde zu einer längeren Stange verschraubt, die eine Feder enthält. Im Volksmund nennt sich so etwas Sattelfederung, jedenfalls dann, wenn der Volksmund weiß, was das ist. Ich wusste es. Aber ich wusste bis dato nicht, dass eine solche Gewinde-Zusammengehörigkeit sich lösen konnte, aus welchen Gründen auch immer.

Der Effekt war jedenfalls nicht nur, dass ich vom Sattel ab an Höhe verloren hatte, sondern auch die damit verbundene, hochgeschätzte Federung! Sie war nämlich in das Rahmenrohr gerutscht, das eigentlich für die Befestigung dieser Sattelstütze verantwortlich ist. Sehr ungeschickt dabei war, dass die Stahlfeder in einem Rohr platziert war, dieses aber mitsamt dieser Feder in den Stahlrohrrahmen des Rades abgerutscht war, in fast unermessliche Tiefen...

Der abgebrühte Fuchs in mir, der ja schon Vielerlei Blödsinn erlebt hatte, schaute nur äußerst dämlich auf dieses Kunststück, das mein Sattel und seine Halterung hier vorgeführt hatten.

Ja, isses denn wahr?
Klar, meinte mein geistig-seelischer Zwilling in seiner ironischen Art: Haben wir nicht schon genug Dinge erlebt, die aus dem Rahmen fallen? Und jetzt fällt sogar etwas IN einen Rahmen! Ist das nicht köstlich? Ein Novum!
Ich fühlte und sah seine Heiterkeit, wie er sich vor Lachen kugelte, der Depp.

Mein normales Ich aber war nur völlig sprachlos. Aber insgeheim dachte ich tatsächlich: So etwas kann doch wirklich nur dir passieren!

In den nächsten Tagen probierte ich einiges aus, was mir so in den Sinn kam, um diese vermaledeite  Tiefenstange aus dem Rohr zu holen; ich erspare euch Einzelheiten. Auch holte ich Tipps von Bekannten ein, aber auch die waren nicht erfolgreich. Als ich das Rad auf den Kopf stellte und mit einem Gummihammer gegen den Rahmen schlug, fiel immerhin die Stahlfeder heraus, was mir aber in keiner Weise etwas nützte.

Schließlich fuhr ich zu einem Fachgeschäft, das von Außen überhaupt nicht diesen Eindruck vermittelte: Kein Firmenschild draußen, und drinnen eher eine große Garage, vollgestopft mit Fahrrädern und Teilen! Kein Tresen, und ein Weg war auch nirgendwo zu erkennen. Dieses Tohuwabohu erschien mir aber irgendwie sympathisch, und der ältere, beleibt-gesetzte, sehr ruhige Besitzer ebenso. Er sah sich mein Dilemma an und verbrachte sicher eine dreiviertel Stunde mit murmelnden Selbstvorschlägen und allerlei seltsamen Werkzeug an diesem versenkten Rohrstück im Rohr des Rahmens. Zwischendurch ging er zwei Häuser weiter in sein Lager und suchte dort etwas, während ich drei Häuser weiter in einem Penny-Markt ein paar Geflügel-Käse-Würstchen gegen das Grollen in meinem Magen erstand.

Schließlich gestand er, dass wohl nicht anderes helfen würde als der Versuch, von unten heranzukommen: Die Tretlager der Pedale ausbauen und mit einer biegsamen, aber doch widerstandsfähigen, dünnen Metallstange das Sattelrohr irgendwie nach unten zu schieben, während das Rad auf dem Kopf steht, bis das blöde Ding herausfällt. Aber heute leider nicht mehr, es ist Freitag und gleich Feierabend.

Mir kam die Idee, dass man es vielleicht mit einem Gewindeschneider versuchen könnte? Man bräuchte ja nur etwa zwei oder drei Windungen, und dann könnte man das Rohr herausziehen. „Gute Idee!“, meinte er, „aber Haben!“ Na ja, warum sollte ein Profitüftler so was auch haben müssen; für Fahrradreparaturen ist das eher selten zu gebrauchen. Ich solle doch mal einen Schlosser fragen! Aber wo gibt es heute noch eine echte Schlosserei?

Der nette Mensch verlangte nichts für seine Mühen, aber ich steckte ihm einen Fünfer in die Tasche seines Blaumanns.

Zum Schluss wollte ich noch wissen, ob ihm so etwas schon mal untergekommen sei? „In 35 Jahren nicht!“

Da haben wir's: So was kann doch wirklich nur mir passieren.

Auf dem Rückweg geriet ich in einen Wolkenbruch. Natürlich auf einer Strecke, auf der es keinen Unterstand gab. Seit über drei Monaten hat es nicht mehr geregnet! Muss ich dazu noch etwas sagen?

Nun werde ich also versuchen, eine Schlosserei zu finden, oder vielleicht eine Autowerkstatt, die einen Gewindeschneider ihr eigen nennt, und dann hoffentlich auch in der richtigen Größe. Die Fahrerei mit diesem Sattel ist nämlich nicht gerade die angenehmste Art der Radlerei, ich will versuchen, es zu beschreiben:

Allein schon das Schieben ist seltsam, wenn man gewohnt ist, dabei die rechte Hand am Sattel zu haben: dieser nämlich dreht sich bei der kleinsten Berührung einfach weg, er hat ja keinen Halt mehr, ohne die Sattelstange! Das dünne Teil unter dem Sattel steckt ja in dieser Sattelstange, die von Rechts wegen im Rahmenrohr fest fixiert wird und die jetzt unglücklicherweise zwar noch vorhanden, aber unerreichbar ist. Und schieben musst du oft genug: Vom Hof durch den Hausgang auf die Straße, in eine Parklücke vor dem Supermarkt …

Eine Eigenart, den Haus- oder Fahrradschlüssel aus Hosen- oder Jackentasche zu ziehen, musste ich auch aufgeben: Ich lehnte dabei das Rad immer mit dem Sattel an die Hüfte (es ist ja ein Damenfahrrad und deshalb keine Mittelstange vorhanden). Da aber vom Sattel her kein Widerstand mehr da war und er sich einfach wegdrehte, rutschte das Rad einfach an meiner Hüfte vorbei nach unten... Einfach lächerlich.

Nun kommt das Abfahren: Du trittst auf ein Pedal und willst aufsteigen, wie es viele Millionen Radfahrer tun. Du aber kommst dabei mit dem Oberschenkel kurz an den Sattel, der sich natürlich wegdreht! Es ist eine akrobatische Übung, mit Schenkel und Hintern den Sattel wieder so auszurichten, dass er passt. Inzwischen kannst du nicht treten, sodass der Elektromotor ausgeht und du zum Stillstand kommst! Also: Noch einmal von vorne. Inzwischen habe ich eine Technik entwickelt, die mit Sicherheit einen Zuschauer zum Lachen reizt, mir aber vollauf zupass kommt. Man gewöhnt sich an alles, wie auch an die seit Monaten nicht funktionierende Gangschaltung, die ich schon gar nicht mehr vermisse... Dieses Drama habe ich am Ende des letzten Buches beschrieben.

Das Fahren an sich ist auch etwas gewöhnungsbedürftig: Ich sitze quasi im Erdgeschoss, die Sattelhöhe ist um fast zehn Zentimeter abgerutscht. Deswegen ist der Lenker logischerweise um zehn Zentimeter höher: Easy Rider lässt grüßen! Du weißt auf Grund deiner Jugend nicht, was Easy Rider oder ein Chopper ist? Na, dann schau hier: so ähnlich fühlte ich mich: 

Nun, so ganz unbequem ist die momentane Haltung auf meinem eRadl nicht, das Bild vermittelt übertrieben meine Situation: Die ist nämlich eher entspannt, weil die Hand- und Armgelenke kaum beansprucht werden: das hat schon was für sich, weil sie fast waagrecht nach vorne zeigen. Und auch das lädierte Genick hat was davon, weil mein kluges Köpfchen (lacht da jemand?!) fast exakt gerade nach vorne schaut. Nur der Hintern kriegt oft Probleme: Die Sattelfeder liegt ja in meinem Keller, wo sie so unnütz ist wie vieles andere Zeug, das dort herumliegt. Und da die Straßen in unserer Gegend eher selten den glatten Asphalt einer Motorradrennstrecke aufweisen, gibt dieser magere Hintern die Schläge weiter, an die geschädigten Bandscheiben knapp darüber, bis hin nach ganz oben, zum vorher genannten Genick, das auch nicht mehr das jüngste ist. Bei der Hatz über quer laufende Straßenbahnschienen wackelt mir doch glatt die Brille bedenklich!

Zusätzlich nervt natürlich der Sattel, der ungehemmt der vorgesehenen Fixierung wackelt wie ein Kuhschwanz unter meinem Allerwertesten: Bei jeder Bewegung der Beine schwingt das dumme Ding hin und her, weil ja die Beine diese Bewegungen an das gemeinsame Ding darüber weitergeben. Aber auch hier haben mein findiger Geist und mein (manchmal) anpassungsfähiger Körper eine Lösung gefunden: Es sieht sicherlich genau so blöd aus wie das anfängliche Auf- und Absteigen, aber es wirkt! Man gewöhnt sich an alles... Auch das An- und Abfahren habe ich inzwischen völlig im Griff, ich kann mir kaum noch vorstellen, wie das auf einem normalen Fahrrad mit perfektem Sattel all die vielen Jahre so problemlos und normal funktionierte.

Nur selten noch, wie heute nach der Einkaufsfahrt, merke ich, dass ich doch noch nicht alles verinnerlicht habe: Das Rad rutschte an meinem Oberschenkel entlang, als ich den Hausschlüssel aus der Jackentasche ziehen wollte... Ich habe diese Peinlichkeit schon oben beschrieben. Ein Nachbar von zwei Häusern weiter schaute neugierig her, aber ich tat, als wenn das völlig normal und in Ordnung ist! Was im Prinzip ja auch stimmt. Jedenfalls momentan.

Ob ich das alles wieder in die Reihe kriege? Inklusive der Gangschaltung? Und wenn ja: Wie groß wird die Umstellung sein, ein ganz normales Fahrrad bewegen zu müssen?

Dieser Gedanke ist aber leider in weite Ferne gerückt.

Ich hatte tagelang, sofern es das Mistwetter erlaubte, einige Orte besucht, die hilfreich erschienen.

Bitte verzeiht den Ausdruck „Mistwetter“! Glücklicherweise hatte es oft geregnet, und die Natur dankte es mit dem Sprießen der vertrockneten Wiesen, Vorgärten und überhaupt allerorts! Ein Segen! Jedoch nicht für einen Radler, der mit seinem wackligen Sattel unterwegs ist; nicht mal für einen Radler, der gar nicht weiß, wie glücklich er sich schätzen darf, ruhig und in angenehmer Höhe auf seinem Radl zu sitzen.

Ich bemühte mich zu einer recht großen, bekannten Autowerkstatt, wo ich aber gleich am Empfang abgewiesen wurde, als ich mein Problem schilderte: „Haben wir nicht, keine Idee, machtlos! Schönen Tag noch!“ Beim Hinausgehen hinterließ ich einen Furz, direkt an der Empfangstheke.

Einen oder auch drei Tage später entdeckte ich eine Schlosserwerkstatt, wie mir ja der nette Herr von der chaotischen Radreparaturwerkstatt nahegelegt hatte, eine solche zu suchen:  Ein älterer Herr und zwei jüngere Gesellen mühten sich ebenso wie der Radmann vor über einer Woche (oder waren es schon zwei oder drei Wochen?). Plötzlich aber hielten sie inne: „Geht nix mehr jetzt, Mittagspause! Kommst du gucken später! Wir Lösung finden!“

Die Lösung später bestand darin, dass ich dem Chef mein Problem vortragen durfte. Der guckte dreimal in das Rohr, als könne er das versunkene Teil magnetisch mit seinem Auge an die Oberfläche ziehen und meint dann lapidar, „Geht nicht, keine Idee, machtlos!“ Diesmal hinterließ ich nichts.

Ich bin dann in einem Fahrradforum aufgetaucht, in dem ich schon mal Hilfe gesucht hatte, wegen meiner Gangschaltung, und habe dort mein Problem geschildert.

Erstens war es ja klar, dass dies ein Novum ist, keiner hatte so etwas je erlebt! Zweitens war die Überraschung riesengroß, weil innerhalb von vier Tagen rund 150 Kommentare geschrieben wurden! Diese Hilfsbereitschaft ist enorm! Allerdings sind die meisten Vorschläge für mich nicht umsetzbar gewesen, weil oft sehr exotisch. Zum Beispiel riet jemand, das Rohr mit Beton auszugießen, eine Gewindestange hinein zu stecken, und nach dem Aushärten diese Stange oben mit einer Mutter zu versehen und dann um diese große Mutter eine Kette zu winden, das Rad auf die Seite zu legen und die Kette an ein Auto zu binden und damit im ersten Gang langsam zu ziehen, während das Rad zum Beispiel an einem Baum mit einer anderen Kette festgebunden wird. Diese und ähnliche Ideen wurden sogar positiv bewertet!

Ich verfolge ja seit meiner Jugend den ironischen Grundsatz: "Warum einfach, wenn es auch umständlich geht?" Es musste also eine pragmatische Lösung geben, auch wenn die Findung seine Zeit dauert...

Hier mein Aufruf in diesem Fahrradforum voller Tüftler:

>>Hallo zusammen, bei meinem eBike ist mir was Blödes passiert: Die große Mutter an der Sattelstütze hat sich gelöst, und die komplette Stütze ist in den Rahmen gerutscht! Sie hängt dermaßen fest, dass ich das Rohr nicht wieder raus kriege: Rad umgedreht, mit Gummihammer auf den Rahmen geklopft (nur die Feder ist raus gefallen); mit Stöcken und ähnlichem Zeug versucht, sie raus zu ziehen; Fahrradwerkstatt: eine halbe Stunde mit den unmöglichsten Versuche unternommen (Kommentar: so was habe ich in 35 Jahren noch nicht erlebt...); Autowerkstatt wimmelte gleich ab; Schlosserei: ebenfalls mit einigen Dingen versucht, dann aufgegeben. Jetzt frage ich Euch, ob ich eine neue Sattelstütze draufsetzen kann? Die Tiefe bis zum versenkten Rohr beträgt 9,5 cm. Ist es denkbar, dass man eine neue Stütze auf die erforderliche Höhe absägen kann? Ein Fahren ist so schier nicht möglich, und ein neues Rad wegen so einem Blödsinn ist doch undenkbar... Vielen Dank für Eure Ideen! Norbert<<

Ich glaube es heute noch kaum, aber die Beteiligung war so umwerfend, dass es mich wirklich fast vom Hocker haute! Sicher kamen unglaublich viele Vorschläge, die ein echter Tüftler in seiner mit Werkzeugen aller Art vollgestopften Garage in Angriff nehmen könnte; oder es kamen Bemerkungen wie "Irgendwas hineinstopfen und irgendwie heraus drehen"... Toll! Aber es ist doch erstaunlich, dass sich insgesamt 47 Leute diesem Problem annahmen und sich insgesamt 244 Diskussionsbeiträge geliefert hatten! Den Beitrag meiner Lösung schließlich seht ihr hier:

Es erfolgten noch weitere Kommentare, aber bei #327 (!) sperrte der Administrator der Seite das Thema: Zwar sind auf meine Anfrage noch gute Vorschläge für eine Super-Sattelstütze eingegangen, aber die meisten Kommentare waren, wie auch schon zuvor, eher witziger Natur; ein Bruch dieses ursprünglichen Themas war also gegeben.

Ich entschloss mich endlich, nach stundenlanger, ja tagelanger Suche, wie es meine Art ist, eine neue Sattelstütze des Herstellers meines Rades zu erwerben, und zwar im Baumarkt in meiner Nähe, nur rund acht Kilometer entfernt. Und zwar zu einem Preis, der akzeptabel ist: 30 Euro. Der allgemeine Markt für gefederte Sattelstützen bewegt sich zwischen 20 und etwa 420 Euro. Ihr werdet verstehen, dass ich die 4 vor der 20 sofort eliminierte. Und auch weitere Zahlen wie 3, 2 und 1. Es werden aber auch Preise aufgerufen, die weit darüber liegen! Ich werde niemals verstehen, welche immensen Vorzüge eine Sattelstütze für fast 700 Euro haben soll...

Möglicherweise versprechen große Preise einen großen Komfort, wie das Wippen und Hüpfen auf meiner Couch, wenn ich ein Handball-Länderspiel verfolge. Aber muss ich auf einem Fahrradsattel, der erheblich schmaler ist als meine Couch, meinem Poppes die gleiche Bequemlichkeit gönnen? Schließlich gondele ich meistens durch die Gegend, von Überquerungen der Straßenbahngleise mal abgesehen, und auch von der Unfähigkeit der Bauingenieure, einen gleitenden Übergang von einem zum anderen Radweg der Straße zu schaffen; bis zu zwei Zentimetern sind hier manchmal zu überwinden! Na ja, manchmal pflüge ich auch durch Äcker und Wälder....

Ich habe also diese Sattelstütze im Rucksack nach Hause gefahren und dort klugerweise noch vor dem Abknipsen des Verkaufszubehörs probiert, wie leicht sich die Vorspannung der Feder regulieren lässt. Überraschung! Gar nicht... Mein Inbusschlüssel passte zwar, aber er ließ sich nicht drehen, nicht mal mit halber Gewalt! Ja, isses denn wahr!?

Schulterzuckend nahm ich das hin als ein weiteres Denkmal, das zu dem Gesamtwerk dieser Story hinzu gefügt werden musste. Typisch Hufi eben.

Es war Samstag, und ich konnte erst wieder am nächsten Dienstag zum Baumarkt radeln. Natürlich hätte ich das auch schon vorher gekonnt, was aber echt doof gewesen wäre: Erstens kommt regelmäßig nach einem Samstag ein Sonntag, und zweitens kommt regelmäßig jedes Jahr ein Feiertag, der diesmal auf den Sonntag folgte: Der Tag des Endes der Deutschen Zweiheit, der 3. Oktober.

Am Dienstag begab ich mich in den Baumarkt und forderte einen Mitarbeiter an, der mir erklären sollte, warum sich diese Federvorspannung nicht drehen lässt: Klar, nach rechts geht nicht, weil weiter geht das Teil nicht rein, aber ich möchte bitte federleicht durch die Gegend geschaukelt werden, deshalb muss die Vorspannung nach links, also heraus, gedreht werden, was sich aber nicht machen lässt!

Der nette Mitarbeiter holte einen Inbusschlüssel und drehte mit Leichtigkeit die Vorspannung heraus und wieder hinein. Und nochmals. "Geht doch!" schaute er mich fragend an.

Der nette Mitarbeiter sah vor sich einen gealterten Menschen, dessen Schultern weit nach unten gefallen waren, im Gleichklang mit seinen sämtlichen Gesichtszügen, außer dem Mund: der stand nämlich weit offen...

Freunde der Wahrheit, ich habe nicht die geringste Ahnung, was hier geschehen sein könnte! Ich bat darum, wieder heraus zu drehen und es so zu belassen. Insgeheim hegte ich wohl die Befürchtung, dass es zu Hause wieder nicht klappen könnte... Ich bin sicher, dass dieser Spezialist am Abend seiner Familie von einem seltsamen Typen mit nicht der geringsten Begabung zu irgendwas erzählen würde; und wie solle so einer das Ding dann überhaupt unter dem Sattel befestigen können!? Hahahahah...

Denen zeig' ich's! Aber erst am Mittwoch, denn dieser Tag war dermaßen herzaufgehend mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen nach den vergangen Regentagen, dass ich glatt auf dem Rückweg einen Umweg machte durch die herrlichen Naturlandschaften Ludwigshafens (Ja! Guckt nicht so! Die haben wir!) und dabei satte drei Stunden Glück tanken konnte. Zwar waren Poppes und Kreuz nicht unbedingt der gleichen Meinung, aber insgesamt profitierte doch die Seele am meisten davon. Etwas länger hätte ich schon gerne noch durchgehalten, aber der Akku bettelte nach Futter, und mein Magen auch.

Der Einbau der Sattelstütze war wahrhaftig keine Hexerei; man schiebt diese nämlich einfach in das Rahmenrohr und klemmt die Fixierung zu. Die Stütze aber an den Sattel zu bringen, war schon etwas kniffliger, und danach musste ich nach vier Fahrten je eine Korrektur vornehmen, bis der Sattel in der richtigen Position war. Bei der fünften Fahrt allerdings war das wieder vorbei: Ich hatte die Schrauben nicht richtig angezogen, wodurch der Sattel nach vorne rutschte und ich dabei fast vom Rad...

Inzwischen ist Ruhe eingekehrt, so dass das Thema Sattelstütze geschlossen werden kann. Leider muss ich ein neues Thema eröffnen, denn diese E-Fahrrad raubte mit schon wieder den Nerv!

Wackelpudding?

Am 6. Oktober, nachdem das letzte Problem keines mehr war, beschloss ich bei herrlichem Wetter, endlich den neuen Reifen aufzuziehen, der schon ein paar Wochen im Keller hing, so etwa ab Mitte August. Im letzten Buch schilderte ich, dass mir beim Transport des Reifens der Fingerring meiner verstorbenen Schwester verlustig ging. Ein Drama für mich, dieses Erinnerungsstück zu verlieren!

Nun endlich sollte der Reifen dran kommen, ich hatte das lange hinaus gezögert, zum Beispiel deshalb, weil die Gangschaltung nicht ging. Den Grund hierfür habe ich auch in meinem letzten Buch geschildert, aber ich gebe die Story hier in kurzen Worten wieder, damit ihr einigermaßen im Bilde seid:

Im späten Frühjahr hatte ich einen Reifen aufgezogen, der neuwertig war, aber bei einer wörtlichen 'Stand'zeit von gut sechs Jahren im Keller einen Schaden genommen hatte, den ich erst bei Fahren bemerkte: Seitdem weiß ich, warum Reifen immer aufgehängt werden. Der Reifen hatte an der Stelle, auf der er so lange vor sich hin stand, eine Unwucht abbekommen, die sich durch monotones Holpern bemerkbar machte; äußerst unangenehm. Beim Einbau des Hinterrades hatte ich die Nabenschaltung nicht mehr ihn die Reihe gekriegt, was aber nicht so tragisch war, da der Motor meines Rades ja auch funktioniert, wenn ich nur die Pedale bewege. Da ich aber praktisch gar keinen Gang mehr drin hatte, hielt der Akku nicht besonders lange durch, und außerdem ist das Anfahren schon sehr gewöhnungsbedürftig. Aber man gewöhnt sich ja fast an alles, wenn man nur genügend Zeit dazu hat...

Ich hatte schon lange im Internet eine Anleitung gefunden, wie man eine solche Schaltung richtig einstellt und mir die wichtigsten Punkte ausgedruckt. Jetzt dauerte es aber ein ganze Weile, bis ich diese Anleitung wieder fand; aber dann war es wirklich an der Zeit, mich darum zu kümmern: Im Sommer war es so mörderisch heiß in unserem Hof, dass an Arbeit nicht zu denken war, und bald würde es wohl zu kalt dafür sein.

Das Aufziehen des nagelneuen Reifens, den ich klugerweise diesmal nicht im Keller abgestellt, sondern aufgehängt hatte, war absolut kein Problem. Nur die Schaltung bekam ich teufelnocheins nicht zum Funktionieren! Da ich vor ein paar Tagen von meinem Stromlieferanten eine Rückzahlung bekommen hatte, wollte ich diese dem netten alten Herrn in der Fahrradwerkstatt zur Verfügung stellen, den ich oben schon beim Thema 'Sattelstütze' erwähnt habe. Der war aber in Urlaub. Natürlich.

Auf dem Rückweg sprang die Kette vom hinteren Ritzel, und ich kam außerdem in den Regen. Das mit der Kette kannte ich ja schon, aus der letzten Geschichte im letzten Buch, so dass ich damit gut klar kam. Nur: warum passierte das, schon wieder? Auch das mit dem Regen: Auf der letzten Rückfahrt vor drei Wochen oder so von diesem Mechaniker geriet ich ja in einen Wolkenbruch.

Das mit dem Regen lässt sich nicht erklären, wohl aber das mit der Kette: Auf der linken Hinterradseite hatte sich die Mutter gelöst, oder ich hatte sie nicht gut genug angezogen. Kette drauf, Mutter nachziehen, und gut is.

Denkste! Bei der nächsten Einkaufsfahrt wollte die Kette schon wieder nicht dort bleiben, wo sie hin gehört! Sackzement!

Das Rad wieder auf den Kopf gestellt, Mutter etwas gelöst um die Kette wieder aufziehen zu können, rechte Mutter angezogen, linke Mutter angezogen - diesmal recht heftig, auf dass sie sich nicht wieder lösen würde -, linke Mutter dreht durch. Wie ich auch...

Wie ihr wisst, sind diese Achsenmuttern so komische Teile, die wie ein langer, oben abgerundeter Hut aussehen. Im Keller fand ich einige Muttern ohne diesen Hut, und eine davon hatte tatsächlich auch die passende Gewindesteigung. Aufgeschraubt, heftig zugedreht, und gut is.

Tags drauf fuhr ich zum Einkaufen los und bemerkte, dass das gesamte Rad irgendwie instabil ist:  So wackelig kannte ich das Teil nicht! Was, zum teufelnochmal, war jetzt schon wieder los? Soll ich am Rheinufer anhalten und die Krise kriegen?

[Wird fortgesetzt, sofern ich nicht in den Rhein gesprungen bin, mitsamt Rad....]

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