Mädel

Vorwort

Zum Mädel kam ich Mitte 1978 völlig überraschend: Ich war zu Besuch bei einem entfernten Bekannten, als dieser ein junges Kätzchen aus dem Wurf seiner Kätzin wegtreten wollte, weil das kleine Ding im Weg herumstand!

Ich schnappte mir das kleine, maunzende Knäuel von etwa 11 Wochen, brüllte den Kerl an und haute ab...

Daraus sind knapp 22 Jahre geworden, die wir miteinander verbrachten!

Natürlich musste ich in dieser langen Zeit auf viele Urlaube verzichten, weil es kaum Gelegenheit gab, das Mädel unterzubringen; manchmal konnte meine Schwester aushelfen, aber mit ihren Hunden war das oft ein Problem. Manchmal kam eine gute Freundin zur Pflege zu mir nach Hause, später auch meine Putzfrau, die ich mir tatsächlich leisten konnte!
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Eine besondere Eigenart von Mädel war, dass sie nie auf meinen Schoß kam zum Schmusen; sie lag höchstens direkt neben meinem Oberschenkel und ließ sich gerne kraulen. Aber: Morgens im Bett schnappte sie sich mit beiden Pfoten meine Hand und schleckte sie ab; die Hand hatte keine Chance zu entkommen, denn Mädel packte dann richtig zu! War die Innenseite bis auf den Quadratmillimeter fertig, drehte ich die Hand um, was sie gestattete und weiter machte. Ein Wegziehen der Hand war unmöglich, bis auch die andere Seite akkurat bearbeitet war.
Dieses Prozedere musste ich auf meinen Wecker übertragen: 'Bitte zehn Minuten früher klingeln, die Katz' braucht ihre Zeit bis zum Aufstehen!'
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Diese Seite ist eigentlich mehr eine nostalgische für mich selbst: Die Bilder sind meist grottenschlecht. Wer aber trotzdem drüber schaut und dies fehlende Qualität übersehen kann, wird vielleicht doch etwas Spaß haben an der Geschichte über mein Mädel!
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Übrigens habe ich heute noch reale Andenken an Mädel: In den drei dicken Buchbänden "Tausend und eine Nacht" stecken als Lesezeichen Schnurrhaare von ihr.

Das Zusammenleben mit einem Haustier erfordert nicht nur regelmäßige Zuwendung und Beschäftigung mit dem Tier, sondern bedeutet auch oft ein Verzicht des Menschen zugunsten des Wohlseins unserer Genossen, für die wir eine enorme Verantwortung übernommen haben!

 

Die Jahre 1979 bis 1984

Die Jahre 1986 bis 1998

Endgültige Trennung

Bei Mikesch habe ich beschrieben, wie er von mir gehen musste; beim Mädel will ich das ebenfalls tun.

Warum beschreibe ich den Tod meiner geliebten Katzen?

Um diejenigen vorzubereiten, die sich oder ihren Kindern ein Tierchen vielleicht zu Weihnachten schenken und nicht bedenken, dass die Liebe zu einem Haustier nur begrenzte Zeit bestehen kann; man muss sich zwangsläufig nach einer gewissen Zeit von ihnen verabschieden.
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Mädel war nun wirklich in die Jahre gekommen, fast ein Methusalem!

Das Laufen fiel ihr schwer; auf ihren Lieblingssessel kam sie nur mit Mühe hoch, obwohl ich ihr eine Rampe aus Holz gebaut hatte, bezogen mit einem Teppichstück, damit sie mehr Grip hat.

Auf dem Balkon legte ich sie in die Sonne meiner Liege und holte sie wieder ab. In der Küche breitete ich zu kälterer Jahreszeit ein dickes Stoffstück auf dem Boden aus, auf dem ich sie dem Sonneneinfall entsprechend über den Boden zog.

Mädel knickte oft mit den Hinterbeinen um und tat sich schwer, wieder aufzustehen; ach, wie oft half ich ihr dabei! Manchmal öffnete sich ihr Mäulchen zu einem Miau, aber es kam kein Ton heraus: Sie war schon gut zwei Jahre stumm.

Eines Abends uferte das aus: Mädel fiel hinten wieder um, versuchte sich aufzuraffen, rannte dabei panisch auf der Seite liegend durchs Wohnzimmer, knallte gegen den CD-Ständer, fiel komplett um und urinierte dabei!

Ich musste ihrer Qual nachgeben, die auch in ihren Augen erkennen konnte...

Mit einem Waschlappen reinigte ich sie und legte sie wieder auf ihren Sessel. Ihr Blick zu mir war dabei unbeschreiblich!

Von der Nachbarin unter mir ließ ich mir zwei Schlaftabletten geben: Diese zerbröselte ich und schob die groben Stückchen etappenweise in Mädels Mäulchen, indem ich ihre Kiefer sanft auseinanderdrückte und anschließend sanft zuhielt, damit sie auch schluckte.

Während der ganzen Prozedur redete ich mit ihr und liebkoste sie; Mädel war aber schon zu schwach, um mir noch einen Blick zuwerfen zu können.

Etwa zehn oder fünfzehn Minuten später hatte ihr Herzchen nicht mehr die Kraft und hörte auf zu schlagen...

Ich heulte bitterlich, lange Zeit, und schmuste sie dabei!

Dann wickelte ich sie in ein Stück des Stoffes, mit dem ich sie immer durch die Küche gezogen hatte, der Sonne nach, und begrub sie in einer Ecke meines Gartens; dort, wo sie die meiste Sonne abbekommt...